Teilnehmerinnen Teilnehmer

KLEINKINDBETREUUNG: BAUSTELLE ODER VORZEIGEMODELL?

Am 30.09. fand im Palais Wid­mann die öffent­li­che Anhö­rung zur Klein­kind­be­treu­ung statt. Zum ers­ten Mal orga­ni­sier­ten die Oppo­si­ti­ons­par­tei­en des Süd­ti­ro­ler Land­ta­ges eine Ver­an­stal­tung die­ser Grö­ßen­ord­nung gemeinsam.

 

Nach der Begrü­ßung durch Land­tags­prä­si­dent Dr. Josef Nogg­ler und der Ein­füh­rung durch Maria Eli­sa­beth Rie­der vom Team Köl­len­sper­ger gaben Vertreter/innen aller Frak­tio­nen der Oppo­si­ti­on ein kur­zes State­ment zum The­ma ab. Maria Eli­sa­beth Rie­der beton­te die Wich­tig­keit der Wahl­frei­heit für Fami­li­en. Auch müss­ten die Arbeits­be­din­gun­gen und die Ent­loh­nung des Per­so­nals ver­bes­sert werden.

 

„Über Klein­kind­be­treu­ung wird viel gere­det und noch mehr gestrit­ten. Lei­der wer­den oft die Bedürf­nis­se und Welt­an­schau­un­gen der einen gegen die der ande­ren auf­ge­rech­net. Dabei geht es schlicht um Rech­te. Vor allem um das Recht jeder Fami­lie, für ihre Kin­der jene Betreu­ung zu wäh­len, die sie braucht und befür­wor­tet. Ech­tes Recht auf die viel beschwo­re­ne Wahl­frei­heit bedeu­tet, dass Betreu­ung zu Hau­se, bei der Tages­mut­ter, in Kitas oder Hort für jede Fami­li­en­si­tua­ti­on und ‑form ver­füg­bar ist — und dass das auch leist­bar ist.“, mein­te etwa Bri­git­te Fop­pa von den Grü­nen-Ver­di‑Vërc.

Ales­san­dro Urzì von L’Alto Adi­ge nel cuo­re Fratel­li d’Italia sprach sich dafür aus, dass die Fami­lie mehr Anrei­ze und Unter­stüt­zung erhal­ten muss. “Aus­nahms­wei­se ein­mal spricht die Poli­tik nicht, son­dern hört zu, sam­melt Ideen, Impul­se, Vor­schlä­ge, Kri­tik und Lob für das, was bereits getan wur­de”, sag­te Urzì.

Paul Köl­len­sper­ger hin­ge­gen erklär­te, dass die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf eines der gro­ßen The­men der jun­gen Men­schen sei. “In Zei­ten von Fach­kräf­te­man­gel, von Abwan­de­rung der bes­ten Köp­fe ist es auf jeden Fall auch ein The­ma der Wirt­schaft”, so Köllensperger.

 

Die Mode­ra­to­rin Kathe­ri­na Lon­ga­ri­va führ­te gekonnt durch den Vor­mit­tag. Am Beginn stand die Prä­sen­ta­ti­on von Daten und Fak­ten zur Klein­kind­be­treu­ung in Süd­ti­rol. Anja Unter­ho­fer erläu­ter­te das Drei-Säu­len-Modell, die ver­schie­de­nen Diens­te und die Finanzierung.

 

GEMEINSAM AN EINEM STRANG ZIEHEN

 

Im ers­ten Teil der Anhö­rung kamen Eltern, eine Kin­der­be­treue­rin und eine Tages­mut­ter zu Wort. Die berufs­tä­ti­ge Mut­ter Mar­len Mit­ter­mair und Cla­re Giu­lia­ni, die ihre Kin­der zu Hau­se betreut, gin­gen auf die Schwie­rig­kei­ten ein, Fami­lie und Beruf unter einen Hut zu brin­gen. Kin­der­be­treu­ungs­diens­te haben oft län­ge­re War­te­lis­ten und nicht zu unter­schät­zen­de Kos­ten. Wer sei­nen Beruf auf­gibt und sich der Kin­der­er­zie­hung wid­met, muss sich um die Ren­ten- und Sozi­al­ab­si­che­rung selbst küm­mern. “Eltern sol­len selbst ent­schei­den kön­nen, ob und wie ihre Kin­der betreut wer­den”, dies die Mei­nung von Mit­ter­mair und Giu­lia­ni unisono.

Doris Alben­ber­ger, Ver­tre­te­rin der Eltern­in­itia­ti­ve Süd­ti­rol, erläu­ter­te die Peti­ti­on mit 3.140 Unter­schrif­ten. Die zen­tra­len For­de­run­gen der Peti­ti­on waren ein Run­der Tisch mit allen Sta­ke­hol­dern und die Bereit­stel­lung not­wen­di­ger Mit­tel von Sei­ten der  Poli­tik. Die Eltern­in­itia­ti­ve sprach sich gegen Ein­spa­run­gen im Per­so­nal­be­reich, gegen ein­heit­li­che Schlie­ßun­gen von 6 Wochen und gegen die Abga­be von kos­ten­pflich­ti­gen ärzt­li­chen Attes­ten im Krank­heits­fall aus. Eini­ge die­ser For­de­run­gen wur­den im neu­en Beschluss Nr. 666 vom 30.07.2019 zwar auf­ge­nom­men, aber nicht in zufrie­den­stel­len­der Art und Wei­se. Auf den Run­den Tisch war­ten die Vertreter/innen immer noch.

Die Kin­der­be­treue­rin Ste­fa­nie Klam­mer und eine Tages­mut­ter per Audio­bot­schaft spra­chen von den vie­len schö­nen Sei­ten in ihrem Arbeits­all­tag, wie­sen aber auf die schlech­te Ent­loh­nung hin.

 

VORAUSSETZUNGEN FÜR OPTIMALE BETREUUNG SCHAFFEN

 

Dr.in Son­ja Weis, Obfrau der Sozi­al­ge­nos­sen­schaft “Kin­der­freun­de Süd­ti­rol” und Moni­ka Hofer Lar­cher, Gemein­de­re­fe­ren­tin in Epp­an nann­ten die Finan­zie­rung als eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten und Gemein­den. Die Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten wer­den zwar vom Land finan­ziert, erhal­ten aber kei­ne Bei­trä­ge wenn Kin­der die Ein­rich­tun­gen nicht besu­chen — außer im Urlaub oder attes­tier­ten Krank­heits­fall. Dies stellt die Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten vor viel­fäl­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen, müs­sen sie für Per­so­nal, Ein­rich­tung und Ver­wal­tung auf­kom­men. Die Gemein­den hin­ge­gen haben die Pflicht, die Struk­tu­ren bereit­zu­stel­len und den Bedarf zu erhe­ben. Mit dem stei­gen­den Bedarf wach­sen auch die Kos­ten für die Gemein­den.  “Fami­li­en sor­gen sich häu­fig, ob sie denn einen Platz in der Kita erhal­ten” berich­tet Moni­ka Hofer Lar­cher ange­spro­chen auf die Anlie­gen, mit denen Fami­li­en zu ihr kommen.

Der ASGB hat sich ein­ge­schal­tet, um eine Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen für das Per­so­nal, vor allem der Kinderbetreuer/innen, zu errei­chen. Tony Tschenett erklär­te, dass Tages­müt­ter/-väter einen Lan­des­zu­satz­ver­trag haben, Kinderbetreuer/innen jedoch nicht. Sie sind an die natio­na­len Kol­lek­tiv­ver­trä­ge gebunden.

 

Gleich­stel­lungs­rä­tin Miche­la Moran­di­ni beton­te in ihren Aus­füh­run­gen, dass allein im Jahr 2018 fast 1.000 Müt­ter von Kin­dern von 0–3 Jah­ren frei­wil­lig ihren Arbeits­platz gekün­digt haben, da sie Beruf und Fami­li­en nicht ver­ein­ba­ren konn­ten. Sie for­der­te die Poli­tik aber­mals auf, geeig­ne­te Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen. Außer­dem stell­te sie eini­ge Daten zu Geschlech­ter­ste­reo­ty­pen in Beru­fen vor, da Klein­kind­be­treu­ung ein haupt­säch­lich weib­li­ches Arbeits­feld ist.

 

Chris­ta Lad­ur­ner reg­te gemein­sa­me Arbeits­ti­sche zu den The­men Bil­dung und Betreu­ung an. Eltern sto­ßen bei jedem Über­tritt ihres Kin­des (Kita-Kin­der­gar­ten-Schu­le) auf beträcht­li­che Schwie­rig­kei­ten, weil sie ver­än­der­te Öff­nungs­zei­ten vor­fin­den, an die sie sich mit ihren Arbeits­zei­ten immer wie­der neu anpas­sen müs­sen. “Es braucht künf­tig eine gute Abstim­mung bei der Pla­nung von Bil­dungs- und Betreu­ungs­an­ge­bo­ten für Kin­der im Alter von 0 bis 6 Jah­re und dar­über hin­aus. Bil­dung und Betreu­ung so strikt von­ein­an­der zu tren­nen, wie der­zeit der Fall, ist nicht sinn­voll”, so Chris­ta Ladurner.

 

Zum Abschluss waren sich alle Betei­lig­ten einig: Bei den Kleins­ten darf nicht gespart werden!

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